Baba Yaga (Die alte wilde Mutter)

Baba Yaga und die slawischen Folklore

Oft werden Hexen als böse, hässlich und gefährlich dargestellt, die mit dunkler Magie und teuflischen Mächten paktieren. Doch nicht alle Hexen sind gleich. In der slawischen Folklore gibt es eine besondere Hexe, die viel mehr ist als nur eine alte Frau mit einem spitzen Hut und einem Besen: Baba Yaga.

Ivan Bilibin: "Vasilisa the Beautiful and the Baba Yaga" (Detail)
 Ivan Bilibin: "Vasilisa the Beautiful and the Baba Yaga" (Detail)

Baba Yaga ist eine übernatürliche Gestalt, die in verschiedenen slawischen Ländern bekannt ist, wie Russland, Polen, Tschechien, Slowakei, Serbien, Kroatien und anderen. Ihr Name variiert je nach Region, aber er bedeutet meistens "Großmutter" oder "alte Frau". Sie erscheint als eine verformte oder grausame Frau mit einer riesigen Nase, herabhängenden Brüsten und einem knochigen Bein. Sie fliegt in einem Mörser, schwingt einen Stößel und lebt in einer Hütte im Wald, die auf Vogelbeinen steht . Ihre Hütte ist oft mit Menschen- und Tierknochen geschmückt.

Die Ratten im Gemäuer / H.P. Lovecraft

Geschrieben von Albera Anders

Zwischen Ende August und Anfang September 1923 soll Lovecraft diese Erzählung geschrieben haben, denn schon am vierten September vermerkt er, laut Joshi, in einem Brief ihre Fertigstellung. Die Erzählung selbst beginnt mit einem ähnlichen Datum, nämlich dem 16. Juli des Jahres 1923. Der Gegenwartsbezug, ein, wie sich später herausstellte, Markenzeichen des Autors. Es sei "[…] das historisch komplexeste und zugleich aktuellste erzählerische Werk […]; das Lovecraft zu diesem Zeitpunkt zu Papier gebracht hatte.", schreibt sein treuester Experte in "H. P. Lovecraft - Leben und Werk" des Weiteren, sie sei eine seiner "[…] Erzählungen, in der er am erfolgreichsten an die überlieferten Muster des Schauerromans anknüpft, wobei er allerdings dessen Standardmotive - das alte Schloss mit der verborgenen Kammer, die Spuklegende, die sich als wahr erweist - weiterentwickelt und modernisiert. Auf die grundlegende Prämisse der Erzählung - dass es möglich ist, den Gang der Evolution rückwärts zu durchschreiten - konnte letztlich nur jemand verfallen, dem die darwinsche Theorie in Fleisch und Blut übergegangen war."

Ratten im Gemäuer der Exham Priory

Delapore lautet der Familienname des Ich-Erzählers, dessen Vornamen wir nicht erfahren. Ein in die Jahre gekommener Amerikaner britischer Abstammung, der sich zu genanntem Datum entschließt, das alte Anwesen seiner Vorfahren, eine Ruine namens Exham Priory, das er viele Jahre hatte aufwendig restaurieren lassen, zu beziehen, um dort seinen Lebensabend zu verbringen.

Jeff Lemire: Der Kartograph der Einsamkeit

Ein Blick auf den Mann, der die ländliche Stille in einen der eindrucksvollsten Schauplätze des zeitgenössischen Comics verwandelt hat.

Jeff Lemire © Jaime Hogge

Essex County und die Geographie der Stille

Jeff Lemire wurde 1976 in Essex County, Ontario, geboren, jenem flachen, weitläufigen und wenig glamourösen Landstrich am Nordufer des Lake Erie in Kanada, der geprägt ist durch Weite, Stille und der spezifische Melancholie kleiner Gemeinschaften, in denen alle einander kennen. Essex County ist ein gewöhnlicher Ort, doch in Lemires künstlerischem Schaffen steht genau diese Gewöhnlichkeit als unerschöpfliche Quelle von Tiefe und Bedeutung im Mittelpunkt.

Jeff Lemire / Essex County
Top Shelf Productions

Die drei ??? und das Gespensterschloss / Robert Arthur

Beginnen wir den Spaß doch gleich von vorne. Denn zur Zeit des Erscheinens der drei Detektive war das eine verdammt gute Serie von Robert Arthur. Neben Miss Marple und Sherlock Holmes sicherlich eine Buchreihe, die nicht gerade wenige Leser zum Krimi gebracht haben.

Drei ??? Das Gespensterschloss Kosmos
Kosmos | Cover: Aiga Rasch

Insgesamt gibt es 43 Originalbücher, die von 1964 bis 1987 erschienen sind, bevor die drei Detektive zu einer rein deutschen Angelegenheit wurden. Allerdings hören die guten Abenteuer ab Band 29 auf und tröpfeln nur noch vor sich hin.

V wie Vendetta

Ein ganzes Land steht unter offensichtlicher Massenüberwachung durch die eigene Regierung. Politische Experten hetzen im Fernsehen gegen “Immigranten, Homosexuelle und Minderheiten”. Terrorismus ist eine subtile, aber allgegenwärtige Bedrohung; das Wort schwebt über den Köpfen der Menschen, egal wo sie leben. Die Maske von Guy Fawkes, einst eine obskure Anspielung, wird zum Symbol für Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die zu lange zu viel Korruption an der Spitze erlebt hat.

Was für eine Welt wird hier beschrieben? Die des epischen Comics (und seiner Verfilmung) “V for Vendetta” oder die unsere?

V wie Vendetta
© DV/Vertigo

Auch wenn es absurd erscheinen mag, zu behaupten, unsere Welt sei wie die in V wie Vendetta, in der ein Herrscher ohne Einfühlungsvermögen und Reue regiert, darf nicht vergessen werden, dass Alan Moore und David Lloyd, als sie an ihrem Comic arbeiteten, ihre eigene Gesellschaft kommentierten: Das England der achtziger Jahre. Eine Zeit, in der, so Moore, “eine konservative Regierung, die ununterbrochen an der Macht war, die Idee von Konzentrationslagern für Aidskranke, einer neuen Bereitschaftspolizei mit schwarzem Visier und dem Wunsch nach Ausrottung der Homosexualität äußerte”. Als er im März 1988 sein Vorwort für den Comic schrieb, bezeichnete er sein Land als “kalt” und “bösartig” und hegte den Wunsch, mit seiner Familie zu fliehen.